Die Marktfrau gibt auf!

Die Marktfrau gibt auf!

Liebe Marktfrau,
das ist nicht besonders nett von Dir, was du da mit uns Bürgern in Bad Bederkesa machst!

Warum predigst du uns nun Stillehalten und Erdulden? Hat dich jemand dazu beauftragt, diesen Text zu verfassen?

Das Projekt wäre schwer einschätzbar, sagst du? Wir glauben nicht, dass es förderlich für die Beerster Bürger ist, wenn du mit deinem Satz: „Die alte Weisheit, dass der technische Fortschritt der menschlichen Vorstellungskraft weit voraus ist, trifft für den Bau des Windparks nur allzu genau zu.” uns glauben machen willst, dass unsereins die Kompetenz nicht hätte, dieses Horror-Bauprojekt für Mensch und Tier zu beurteilen.

Wenn du sagst: „Die Industrieanlagen sind ein Beitrag zur Energiewende, den wir nun aushalten müssen. Wenn wir wollen, dass Atomkraftwerke abgeschaltet werden, dass Kohlekraftwerke aufhören sollen, die Luft zu verschmutzen, sollten wir doch eigentlich eine Technologie, die sauberen Strom produziert, akzeptieren.” muss ich dir ganz klar widersprechen!

Windkraft ist gut und ohne sie geht der Umstieg auf erneuerbare Energien nicht. Entscheidend ist der STANDORT. Um den geht es, nicht um eine Verteufelung der Windkraft. Wir stimmen dir vollkommen zu, dass der Standort ungeeignet ist und wollen deshalb diesen Windpark NICHT. Vielmehr muss ein Anstoß gegeben werden, geeignetere Standorte zu finden.

Nein, vielen Dank, liebe Marktfrau! Deinen Rat brauchen wir nun nicht mehr! Wir werden uns nun fürderhin selbst verteidigen und weiterhin unsere Anliegen selbst formulieren.

Deinen Gedanken: „Es fällt schwer, dies vor einer solchen Baumaßnahme zu beurteilen, denn diese neuere Technologie ist von den meisten Menschen schwer einschätzbar.” halten wir insbesondere für außerordentlich irreführend.

Du möchtest gerne artig und folgsam sein, der Verwaltung gefallen, obwohl du weißt, dass die juristische Beurteilung über den Bau des Windparks Bederkesa/Alfstedt noch längst nicht abgeschlossen ist. Weder hat eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung UVP stattgefunden, noch wurde das Vorkommen der Uhus und Seeadler ausreichend berücksichtigt!

Warum fördert der Verschönerungsverein keine weiteren Solidaritätsaktionen für die Bürger zusammen mit den Betroffenen? Wo sind die Aufkleber und Plakate, in denen die Bürger sich wiedererkennen?
Warum wird jetzt gekuschelt und zu welchem Preis?

Kämpfen geht anders!

Deine Mathilde
Ehrenamtliche Bürgersprecherin in Beers

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Auszüge aus dem Originaltext der Geestland Rundschau, dem Presseorgan der Stadt Geestland, des Bürgermeisters Thorsten Krüger und des Verschönerungsvereins vom 3/2017, der von der anonym schreibenden Marktfrau verfasst wurde:

MARKTFRAU
Es ist soweit …

Der Windpark kommt. 13 Windräder, die bis zur Rotorblattspitze mehr als das 5-fache unserer Kirchturmhöhe messen, werden nun aufgestellt. Eine gigantische Industrieanlage entsteht im Nahbereich von Bad Bederkesa und Alfstedt. Sie wurde am 31.12.2016 in buchstäblich letzter Minute vom zuständigen Bauamt des Landkreises genehmigt, denn ab dem 01.01.2017 gelten neue Gesetze, die für die Investoren weniger planbare Erfolgsrechnungen bedeuten könnten. Die Industrieanlagen sind ein Beitrag zur Energiewende, den wir nun aushalten müssen. Wenn wir wollen, dass Atomkraftwerke abgeschaltet werden, dass Kohlekraftwerke aufhören sollen, die Luft zu verschmutzen, sollten wir doch eigentlich eine Technologie, die sauberen Strom produziert, akzeptieren. Aber bedeutet jede industrielle Baumaßnahme nicht auch einen Eingriff in die Natur und beeinträchtigt sie nicht immer auch irgendwie die Lebensqualität der dort wohnenden Menschen? Besonders in windreichen Gebieten wie bei uns, rücken die Anlagen immer näher. Es ergibt sich die Frage, wie weit Anwohner, also Bürgerinnen und Bürger die damit verbundenen Beeinträchtigungen hinnehmen müssen, wie weit geltende Gesetze des Naturschutzes und des Landschaftsschutzes, wenn sie denn dem Vorhaben entgegenstehen.

(…)

Wo ist die Grenze des Machbaren, die Grenze dessen, was Bürger auszuhalten bereit sind? Ist sie nicht dort, wo die Natur besonderen Schaden nimmt, wo Menschen sich in unmittelbarer Nähe nicht mehr wohlfühlen, nicht nur weil Schattenwurf und Geräuschpegel lästig sind und Marktfrau sogar krank machen? Es fällt schwer, dies vor einer solchen Baumaßnahme zu beurteilen, denn diese neuere Technologie ist von den meisten Menschen schwer einschätzbar. Die alte Weisheit, dass der technische Fortschritt der menschlichen Vorstellungskraft weit voraus ist, trifft für den Bau des Windparks nur allzu genau zu.

(…)

Am Ende werden 13 statt ursprünglich geplanter 16 Windkrafträder gebaut und einige Auflagen werden erteilt. Es wird wohl auch Nachbesserungen geben, weil letzte Gutachten (z.B. den Uhu und den Seeadler betreffend) am 31.12.2016 noch nicht vorlagen. Ob von Ausgleichszahlungen aufgrund der Beeinträchtigungen der betroffene Ortsbereich profitieren wird, ist ebenfalls nicht geklärt.

Link zum Download des kompletten Artikels in der
Geestland Rundschau 3/2017 auf Seite 2
https://www.geestland.eu/download/index.php?menuid=607&topmenu=7